• Vorbereitungen und Anreise

    Innerhalb eines Studiums denkt wahrscheinlich jeder Studierende aus verschiedenen Gründen darüber nach, ein oder mehrere Semester im Ausland zu verbringen. Auch ich beschäftigte mich mit diesem Thema bereits seit Beginn des Studiums und entschied mich schließlich im 4. Semester dazu, alle Vorbereitungen in Angriff zu nehmen, um ab September 2017 an der Metropolitain University in Budapest ein halbes Jahr zu lernen und zu leben.
    Diese Vorbereitungen beinhalteten die Bewerbung an der Gastuniversität, Wohnungssuche in Budapest und eine genaue Reiseplanung, da ich die Strecke von Chemnitz bis Budapest mit meinem Moped zurücklegen wollte.

    Die Bewerbung an der Metropolitan University in Budapest verlief weitestgehend ohne Probleme. Mein zusammengestelltes Portfolio wurde für gut befunden (dies ermöglichte die Teilnahme an den Kunst- und Designkursen der Uni), das Learning Agreement von beiden Parteien unterzeichnet und der Erasmuszuschuss bestätigt.

    Auch mein WG-Zimmer hatte ich relativ schnell über eine der zahlreichen Facebookgruppen gefunden, überwies bereits die erste Monatsmiete als „Reservierungszusicherung“ (davon wurde mir in Hinblick auf kriminelle Machenschaften zwar abgeraten, bei mir ging jedoch alles gut) und freute mich auf die Reise in Richtung Osten (Vermietung: „flat-2-share“).
    Kurz vor meinem Aufbruch gab es einen herben Rückschlag: Aufgrund meiner angegebenen Mailadresse (AOL) landeten diverse Mailrückmeldungen der Metropolitain University in meinem Spam-Ordner, den ich zu dieser Zeit noch zu selten durchschaute. In einer der Mails wurden einige Kurswahländerungen von mir erbeten, in der nächsten haben sie mir den Ausschluss vom Bewerbungsverfahren mitgeteilt, da ich nicht reagiert habe. Nach einigen erklärenden Mails in Zusammenarbeit mit Frau Dienerowitz haben die Ungarn schließlich Gnade walten lassen und Verständnis gezeigt, Glück gehabt!

    Die Anreise war für mich bereits DAS HIGHLIGHT, da ich innerhalb von 10 Tagen über Prag, Brünn und Bratislava in die ungarische Hauptstadt mithilfe meines Mopeds tourte. Ich lernte viele neue Menschen kennen und musste spontan, flexibel und für Planänderungen bereit sein. Mit knapp 50€ Benzinkosten und ca. 12€ für jede Hostelübernachtungen war die Reise ein preiswertes Abenteuer zu Beginn. Ich kann jedem Studierenden empfehlen, den Aufenthalt im Ausland mit einer kleinen Reise einzuläuten.

    Wohnen und Leben

    Als ich Ende August in Budapest ankam, wurde mir sofort der Charme der Stadt bewusst. Die alten gelben Straßenbahnen, historische Gebäude auf beiden Seiten der Donau und die hügelige Landschaft auf der Budaseite bieten Abwechslung und bergen Suchtgefahr in sich.
    Immer wieder hatte ich Lust rauszugehen und Dinge zu erkunden: im Sommer Parks und Open Air Veranstaltungen, im Winter Thermalbäder und Weihnachtsmärkte.

    Unsere WG bestand aus 4 weiteren Mitgliedern und mit 230€ Warmmiete für mein 12 qm großes Zimmer, lag ich unterm Schnitt im Vergleich zu den anderen Erasmusstudenten (gezahlt wurde Bar im voraus, auch ab und zu 2-3 Monate in einer Zahlung). Meine WG-Mitbewohner kamen fast alle aus dem deutschsprachigen Raum (Österreich/Bayern), nur Yuki aus Japan verlieh unserer WG ein wenig internationalen Flair. Die Zusammenstellung war mir jedoch im vornherein nicht bewusst und ich fand es ein wenig schade, dass ich nicht auch daheim meine Englisch-Skills verbessern konnte.
    Das allgemeine Preisniveau lag größtenteils unter dem gewohnten in Deutschland, Nahrungsmittel im Supermarkt sind häufig teurer, Ausgehen und andere Aktivitäten preiswerter.

    All diese Dinge waren für mich bereits bei der Standortbestimmung von Bedeutung. Ich wusste über die Schönheit der ungarischen Hauptstadt, die günstigeren Lebenshaltungskosten, wollte die östliche Kultur etwas besser kennenlernen und brauchte ein Ziel, dass gut mit dem Moped erreichbar war.
    Ich werde die Entscheidung nie bereuen, da für mich alle Erwartungen (auch wenn diese bei mir häufig nicht sehr hoch sind) erfüllt wurden und ich eine wunderschöne Zeit hatte.

    Universität und Kurse

    Die Metropolitan University ist eine von zahlreichen Bildungseinrichtungen der Budapester Unilandschaft. Sie besteht aus 3 Campusteilen (economics, media, art) die alle relativ zentral auf der Pest-Seite angesiedelt sind.
    Die Erasmusveranstaltungen zu Beginn waren lustig, jedoch hatte ich im Anschluss häufiger mit den Studierenden meines Studiengangs Umgang.

    Nachdem ich durch meine Bewerbung für die Kunstkurse akzeptiert wurde, stand dem nun nichts mehr im Wege und ich konnte die Kurse „Graphic Design Workshop“, „Media Design Studies“, „Paper-& Packaging Technology“ und „Creative Typography“ besuchen.
    Ich wählte außerdem einige Geschichts- und Kulturkurse in der Hoffnung, dass sie mir angerechnet werden, wenn ich wieder nach Mittweida zurückkehre oder ich sie zumindest für das Studium Generale verwenden kann.

    Alle Kurse waren englischsprachig und die Gruppen von 10-20 Personen stark besetzt. Vor allem die Kunstkurse haben mir sehr viel Spaß gemacht und wurden am Ende mit einer Präsentation aller Arbeiten abgeschlossen und bewertet.
    Vom Kupferstich über analoge Druckverfahren bis hin zu Entwürfen eigener Schriftarten auf Papier und digital, Verpackungsentwürfen oder Guerilla-Kampagnen waren viele Themen der Kunst- und Medienwelt vorhanden und ließen viel kreativen Spielraum für eigene Ideen.

    Die Wertung der „internationalen Credits“ ist im Vergleich zu anderen Universitäten (z.b. Newcastle, wie ich hörte) eher gering. Man sollte also ca. 7 Kurse besuchen, um am Ende die benötigten 30 Credits für das Semester zu erreichen.
    Für Medienstudenten empfiehlt sich außerdem die Teilnahme an der Crossmedia-Kampagne „Cosmo-X“, da man für ein paar Reporte vom Auslandsstudium (insgesamt 100 Stunden) auch da Credits für diese Arbeit bekommen kann.

    Auch wenn für ein Auslandssemester etwas größere organisatorische Hürden zu nehmen sind, überwiegen deutlich die positiven Erfahrungen. Die neuen Bekanntschaften, Verbesserung des Alltags-Englisch durch den regelmäßigen Sprachgebrauch und das Kennenlernen einer neuen Kultur haben dieses halbe Jahr zu einer meiner schönsten bisherigen Erfahrungen gemacht.

     

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